2 Das große Los - Das Universum und das Sein an sich
„Das Universum ist ein ganz und gar natürliches Phänomen, wenn auch unglaublich komplex. Es wurde nicht durch einen externen Willen oder Schöpfungsakt geschaffen.“1
Ein Prinzip a priori – „von vorneherein“ ist die WERDUNG von allem – Evolution!
„Dasein ist nicht, sondern geschieht.“2
Der Begriff der Evolution (oder das Prinzip der Werdung) wird längst nicht mehr nur im darwinschen Sinne für die Evolution des Lebens benutzt. Alles evolviert, alles wandelt sich beständig oder hat jedenfalls nur bedingte Zeiträume, in denen es unverändert bleibt.3 Beständig ist nur der Wandel.
„In einem allgemeineren und umfassenderen Sinn bedeutet Evolution aber einfach Wandel und ist damit weder auf die Lebewesen noch auf die Vergangenheit beschränkt. Der Kosmos, die Erde, die Atmosphäre – alles hat seine Evolution“4
Manche großen Umwälzungen, wie die der physikalischen Welt mögen größtenteils schon abgelaufen sein (Werdung im und nach dem Urknall), aber sozusagen evolvieren die Produkte aus diesen Werdungen im physikalischen oder chemischen Bereich nun munter weiter. Je komplexer die Systeme werden, desto unvorhersehbarer werden sie auch, desto „offener“ sind sie. Und wenn man sich in die subatomaren Bereiche der „Materie“ begibt, dann gilt dort keinesfalls ein statisches „so sein“, sondern vielmehr ein ständiges, dynamisches Werden:
„...und zwar entstehen im Vakuum auf Grund von Quantenfluktuationen ständig Teilchen und Antiteilchen - im Wesentlichen Elektronen und Positronen - die sich praktisch sofort wieder gegenseitig zerstrahlen.“5
„Gestaltung, Umgestaltung, des ew´gen Sinnes ew´ge Unterhaltung“ (Faust) ist eine Grundgröße des Universums von den kosmischen Maßstäben bis in die Quantenebene hinein.
Dabei ist Evolution (auf welcher Ebene auch betrachtet) nicht teleologisch6, aufzufassen! Es gibt keine „Zielrichtung“ des Wandels (außer jenen, die in den Gesetzmäßigkeiten der Natur vorgeschrieben sind, z.B. Abfolgen bei der Sternentstehung). Keinen „großen Plan“ auf den alles zuläuft, keinen Omegapunkt, weder in der materiellen, noch in der geistigen Entwicklung.
„Auch eine andere verbreitete irrige Ansicht muss ausgeräumt werden: Selektion ist nicht teleologisch. Wie könnte ein Beseitigungsprozess zielgerichtet ablaufen? Die Selektion hat kein langfristiges Ziel, sondern sie wiederholt sich in jeder Generation von neuem. Die Tatsache, dass Abstammungslinien in der Evolution so häufig aussterben oder ihre Richtung ändern, lässt sich nicht mit der falschen Behauptung vereinbaren, die Selektion sei ein teleologischer Vorgang. Man kennt auch keinen genetischen Mechanismus, der zu zielgerichteten Evolutionsprozessen führen könnte. Die Orthogenese und andere angeblich teleologische Mechanismen wurden gründlich widerlegt […]“7
Trotzdem ist die Wandlung nicht chaotischer Natur! Zum einen ist sie eben determiniert durch die Naturgesetze und zum anderen durch innere Dynamiken (Fließgleichgewichte, Rückkopplungen, Autopoiese8 etc.) in Bahnen gelenkt. Dennoch sind höher organisierte Systeme (holonisch tiefere) meist auch sog. offene Systeme, deren Zukunft, deren Entwicklung nicht völlig deterministisch festgelegt (eben „offen“) ist. Durch Dynamiken wie emergente Sprünge entstehen neue, unerwartete Strukturen. Aber auch Prinzipien von Wachstum (Jugendstadium, Ausdifferenzierung, Höhepunkt, Abschwächung (Alterung) und Tod) spielen als Abfolgen von Abläufen in höheren Systemen eine Rolle, vielleicht sogar im Gesamtsystem.
panta rei, alles fließt, nur wohin, ist oft unklar.
Allerdings kann man, scheinbar entgegen dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik9, feststellen, dass ein guter Teil dieser Veränderung eine Richtung hin zu größerer Komplexität hat (Entstehung von Sonnensystemen und Galaxien bis hin zu Galaxienklustern, komplexe Moleküle (wie z.B. Alkohol), Übergang zur Biosphäre, darin immer komplexere Lebewesen bis hin zum Menschen, der wiederum komplexe Gerätschaften entwickelt u.s.w.).
Auch hier ist dann das „blinde“ Agieren der Natur zu erkennen.
Dazu noch einmal E. Mayer:
„Evolution ist gleichbedeutend mit gerichtetem Wandel. Seit den Anfängen des Lebens auf der Erde und dem Aufstieg der ersten Prokarionten (Bakterien) vor 3,5 Milliarden Jahren sind die Lebewesen weitaus vielgestaltiger und komplexer geworden. Ein Wal, ein Schimpanse oder ein Mammutbaum sind sicher etwas ganz anderes als ein Bakterium. Wie kann man diesen Wandel charakterisieren?
Am häufigsten erhält man darauf die Antwort, das Leben sei einfach immer komplexer geworden. Im Ganzen betrachtet, stimmt das tatsächlich, aber es ist keine allgemein gültige Regel. Viele Abstammungslinien lassen einen Trend zur Vereinfachung erkennen – dies gilt insbesondere für die verschiedensten Spezialisten, beispielsweise Höhlenbewohner und Parasiten. Dennoch, so wird behauptet, sei Evolution mit Fortschritt verbunden. Sind nicht Wirbeltiere und Bedecktsamer (Blütenpflanzen) höher entwickelt als die „niederen“ Tiere und Pflanzen, und sind sie nicht erst recht weiter fortgeschritten als die Bakterien? Wir haben uns bereits mit dieser Behauptung befasst und dabei gesehen, wie problematisch die Anwendung von Bezeichnungen wie „höher“ und „niederer“ ist. Tatsächlich sind die Prokarionten, insgesamt betrachtet, ganz offensichtlich ebenso Erfolgreich wie die Eukarionten. Andererseits fand aber Generation für Generation jeder Evolutionsschritt, der schließlich zu Nagetieren, Walen, Gräsern und Mammutbäumen führte, gewissermaßen unter der Kontrolle der natürlichen Selektion statt. Führt das nicht zwangsläufig dazu, dass jede Abstammungslinie Generation für Generation immer besser wird? Die Antwort lautet: Nein, denn die meisten Wandlungen werden in der Evolution durch die Notwendigkeit erzwungen, mit den derzeitigen, vorübergehenden Veränderungen der physikalischen und biologischen Umwelt fertig zu werden. Zieht man dann noch die enorme Häufigkeit des Aussterbens und der rückschrittlichen Evolution in Betracht, kann man sich der Einsicht nicht verschließen, dass die Vorstellung von einem allgemeinen Evolutionsfortschritt abzulehnen ist. Betrachtet man jedoch einzelne Abstammungslinien zu bestimmten Zeitpunkten ihrer Evolution, gelangt man unter Umständen zu anderen Antworten. Bei einer erheblichen Zahl von Entwicklungslinien kann man während ihrer größten Blütezeit sicher von Fortschritt sprechen.“10
Wenn wir nun alles aus diesem Blickwinkel der Entwicklung betrachten und dabei Position und Zeiträume im Sinn behalten, relativieren sich viele Fragen.
Es muss alles, was ist, Materielles, Gedachtes, die Welt Bedingendes wie die Naturkonstanten als GEWORDENES vorgestellt werden.
Damit wird das Werden selbst zu einer Kategorie a priori. Oder, weniger kantisch, zu einem Grundwesenszug des Seins.
Fragen nach den Ursprüngen werden damit beantwortet, dass man sagen muss, sie (die Ursprünge) seien geworden. Die Weltbereiche? Geworden! Die Naturkräfte? Geworden! Verstand, Geist? Geworden! Und das Werden hat nicht aufgehört, sondern geht fort. Es scheint zwar auch Gebiete zu geben, die geworden sind, sich aber im Augenblick nicht verändern. Doch bedeutet dies nicht, dass sie nicht irgendwann wieder in Bewegung geraten und damit weiter werden (und sei es nur in einem Evolutionsprozess, der zu einer Vernichtung führt, einer Devolution).
Das Ende des Universums ist noch unklar, daher wissen wir noch nicht, wohin die Reise geht (zumal immer die Möglichkeit des Emergierens gegeben ist, was dann zu völlig unvorhersehbaren Strukturen führt).
2.1 Der Stoff des Seins
2.1.1 Holons – Bausteine des Seins
Woraus aber besteht die Welt? Das ist eine der großen Fragen, die uns umtreiben. Waren es für Demokrit die Atome, so waren es für Empedokles die Elemente. Die Hindus sagen, die Welt sei der Traum des Gottes Vishnu, die Bibel sagt am Anfang war das Wort (Johannesevangelium) und so weiter.
Mich hat Ken Wilbers Vorschlag11, das Holons die Bausteine des Seins sind wie ein Blitz getroffen. Es ist letztlich die Idee, dass es eher Strukturen und Eigenschaften sind, aus denen die Welt besteht und nicht etwa irgend ein materieller Grundbaustein.12 Ähnliche Gedanken werden in 2.3 kurz angerissen.
Was aber soll ein Holon sein? Nun erst einmal: Holons sind keine Materieteilchen oder ähnliches, Holons sind auch keine geistigen „Bausteine“ oder etwas irgendwie mystisches, noch sind sie Felder. Es ist vielmehr so, dass ALLES Holons sind, oder (besser gesagt) alles holonischen Charakter hat. Ein Atom ebenso wie eine Mondrakete, ein Fluch ebenso wie ein Gedanke oder eine Sonne oder ein Tier.
Was sind die Eigenschaften von Holons? Nun, Wilber zählt zwanzig auf, aber auf so viel Differenzierung wollen wir hier verzichten, zumal ich ihm auch nicht in allem folge.13 Hier möchte ich nur einige der grundlegendsten Eigenschaften aufzeigen, damit klar wird, was unter einem Holon zu verstehen ist.14
Holons sind immer Ganzes und Teil zugleich! (Geschrieben als Ganzes/Teil). Dies ist sicher DIE zentrale Eigenschaft von Holons (und damit: Von (fast )ALLEM). Wer darüber nachdenkt, dem erschließt sich rasch die große Tiefe dieses Gedankens. Nichts ist allein, alles ist ein Teil von irgendetwas anderem, Atome sind Teile von Molekülen oder Teile eines ionisierten Gases oder Teil einer Sonne.15 Zellen sind Teile von Tieren oder Teil einer Umwelt, für die sie essentiell sind oder Teil einer Ökokette. Ein Satz ist Teil einer Abhandlung oder eines Romans oder einer Beschreibung und besteht aus Worten und diese aus Buchstaben. Gedanken sind eingebettet in Gedanken, die schon einmal gedacht wurden, haben einen Kontext, ohne den sie nicht existieren könnten (sinnlos wären). In Wilbers Worten:
„Die Wirklichkeit insgesamt ist nicht aus Dingen oder Prozessen zusammengesetzt, sondern aus Holons.
Das heißt, sie besteht aus Ganzen, die zugleich Teile anderer Ganzer sind, ohne daß es nach oben oder unten eine Grenze gäbe.“16
UNGEKLÄRTE FRAGE! (?)
Eine für mich ungeklärte Frage ist folgende: Gilt dies alles auch für FELDER (elektromagnetische oder gravitative etc.)? Sind Felder holonisch? Sind sie Ganzes/Teil? Mir persönlich wäre nicht bekannt, dass Felder aus anderen Feldern bestehen. Hier könnte eine Lücke klaffen. Ebenso ungeklärt ist (naturgemäß) ob die sog. Dunkle Materie oder die Dunkle Energie holonischen Charakter hat. Da wir praktisch außer ihrer Existenz noch nichts über diese Weltbereiche wissen, können auch keine Aussagen darüber gemacht werden.
Außerdem ist da der undurchschaubare Bereich der Quantenwelt. Kann man auch hier von Holons sprechen? Und dann die WELT als Ganzes? Eingebettet in ein Multiversum? Oder doch einfach der eine, große Bereich des ALLES, das kein Teil von etwas anderem ist? An den Grenzen franzt es aus, wie immer.
Laut Wilber haben Holons vor allem vier Grundmöglichkeiten: Selbsterhaltung, Selbstanpassung, Selbsttranszendenz und Selbstauflösung.
2.1.1.1 Selbsterhaltung:
Dinge und Prozesse, kurz: Holons bleiben auch über die Zeit hinweg (wieder)erkennbar und „sich selbst treu“. Eigentlich ist es selbsterklärend. Wenn ein Stuhl nicht zumindest eine gewisse Zeit auch ein Stuhl bliebe, wäre er völlig unbrauchbar. Elektronen müssen Elektronen bleiben, ebenso wie ein gedachter Satz nicht sofort verschwinden darf, sondern sozusagen virtuell erhalten bleiben muss, sonst wäre er praktisch gar nicht gedacht worden. Mit Wilbers Worten bewahrt ein Holon seine Agens, sein Selbst solange wie möglich. Natürlich können Holons sich auflösen (oftmals in Vorläuferholons), Dinge werden zerstört, Heliumatome in Sonnen zu Wasserstoffatomen verschmolzen. Aber dennoch wohnt allem ein Hang zur Selbsterhaltung inne, der einer sofortigen Zerstörung entgegenwirkt17
2.1.1.2 Selbstanpassung:
Holons, die integraler Teil eines größeren Ganzen (tiefen Holons) sind18 müssen sich diesem Anpassen. Wilber bringt als Beispiel ein Elektron, dass ja auch die Verhältnisse in seiner Umgebung, z.B. die Zahl anderer Elektronen in einer Orbitalschale „berücksichtigt“. Dies einfach auf Grund seiner Natur. Wilber nennt diese Fähigkeit zur Selbstanpassung „Kommunion“ im Gegensatz zur Selbsterhaltung, die er „Agens“ nennt.
Wir können die Selbstanpassung auch „Reaktionsfähigkeit auf die existierende Umwelt“ nennen. Diese Reaktionsfähigkeit braucht keinerlei Intentionalität (wie das Beispiel des Elektrons aufzeigt). Mit steigender Komplexität (größere holonische Tiefe) werden natürlich auch die Fähigkeiten zur Selbstanpassung komplexer, ebenso die Möglichkeit einer zu starken oder zu schwachen Anpassung.
2.1.1.3 Selbsttranszendenz:
Holons emergieren! Wenn sich ein Holon mit anderen Verbindet, so kann das Ergebnis etwas völlig neues sein, dessen Fähigkeiten und Eigenschaften nicht auf die Ursprungsholons zurückführbar ist (das alte Diktum vom Ganzen, das mehr ist als die Summe seiner Teile wird zu: Das tiefere Holon ist mehr als die Summe seiner Ursprungsholons). Moleküle sind dafür schöne Beispiele, denn ihre Eigenschaften lassen sich nicht durch die Eigenschaften der Atome ableiten, aus denen sie bestehen. Ja, sogar Kristalle einer einzigen Atomart haben Eigenschaften, die sich nicht aus denen der einzelnen Atome herleiten lassen. Denken wir nur an Kohlenstoff, der sich ebenso zu Schiefer wie auch zu Diamant anordnen kann, wobei beide völlig unterschiedliche Eigenschaften haben.
Selbsttranszendenz ist einfach das Vermögen eines Systems, über das Gegebene hinauszugreifen und Neuartiges hervorzubringen – ein Vermögen, ohne das die Evolution gar nicht erst hätte anfangen können. Selbsttranszendenz läßt keinen Winkel des Universums aus, denn sonst hätte die Evolution keinen Ansatzpunkt, und bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als daß dem Universum die Fähigkeit innewohnt, über das Vorliegende hinauszugehen.19
2.1.1.4 Selbstauflösung
Selbstauflösung bedeutet für Wilber hauptsächlich, dass Holons sich in ihre Subholons auflösen. Er bringt Beispiele aus der Biosphäre und der Noussphäre, der Welt des Geistigen. Allerdings muss man hier einräumen, dass z.B. Elementarteilchen seit ihrem „In Erscheinung treten“ beim Urknall nicht aufgelöst haben und dies wohl vor dem Ende des Universums auch nicht tun werden. Auch hier gilt der für mich persönlich sehr wichtige Satz „Dass Wahrheiten sich immer an ihren Rändern auflösen“. D.i. es ist immer schwer, irgendwelche Aussagen zu machen, für die es nicht Randbedingungen gibt, bei denen sie nicht mehr stimmen.20 Doch auch hier gilt, je komplexer (höher) die holonischen Ebenen sind, desto eher stimmt diese Aussage.
Holons, die durch vertikale Selbsttransformation aufgebaut werden, können auch zusammenbrechen. Und wie man erwarten kann, löst sich ein Holon, das seinen inneren Zusammenhalt verliert, in einer ebenfalls vertikalen Schrittfolge auf, nur in der umgekehrten Richtung.21
Wilber ordnet diese vier Grundtendenzen oder Vermögen der Holons (Selbsterhaltung(Agens) – Selbstanpassung(Kommunion) – Selbsttranszendenz und Selbstauflösung) in einem Kreuz an.

Ich würde nun gerne dieses Kreuz in einen Kreis oder ein Koordinatenkreuz verändern, in dem die unterschiedlichen Holons ihren Platz haben. Bei Wilber ist man versucht zu glauben, jedes Holon hätte seinen Platz genau in der Mitte des Kreuzes. Aber es gibt eben Holons, die haben eher eine Tendenz zur Agens als zur Kommunion und lösen sich nur unter extremen Bedingungen auf, z.B. Heliumatome! Sie müssen einen anderen Platz bekommen wie ein Buchstabe, der ja sehr stark die Tendenz zur Selbsttransformation hat, wie schon an diesem Text hier klar wird. Wir haben also eher ein Feld, in dem die Holons unterschiedliche Plätze haben, je nach Stärke der jeweiligen Vermögen bei ihnen.
Ein weiterer Unterschied zu Wilber ist der, dass ich sage: Es gibt natürlich Holons, die nicht Teil einer „höheren“ (emergierten) Ebene sind. Zumindest nicht im Augenblick, vielleicht aber auch nie. Dafür hat aber alles, was ist sozusagen eine Potentialität dazu, Teil einer höheren1 holonischen Ebene zu sein oder ist wenigstens in eine systemisch größere Umwelt eingebettet.
Als Beispiel möchte ich die Entstehung von Sternen nennen. So genannte „Molekülwolken“ sind dafür die Voraussetzung. Diese Wolken bestehen zu Rund 70% aus molekularem Wasserstoff (H2). Bevor ein Stern entsteht ist es eben nichts anderes als eine Ansammlung (Wilber nennt es einen Haufen) von Wasserstoff. Erst mit der Sternentstehung wird aus dem Holon Wasserstoff ein Holon das eingebettet ist in eine größere Holarchie, nämlich die eines Sternes (der dann wiederum Teil aller Sterne ist, die Galaxien, Galaxienhaufen, Superhaufen etc. bilden).
Aber fahren wir fort in der Aufzählung Wilbers zu den Eigenschaften von Holons:
2.1.1.5 Holons emergieren!
Nun hat sich mir nicht wirklich erschlossen, was der Unterschied zur Selbsttranszendenz sein soll (weswegen ich den Begriff des Emergierens schon dort angebracht habe.) Was bedeutet „emergieren“?
Emergenz ist weder ein seltenes noch ein isoliertes Phänomen. Varela, Thompson und Rosch fassen die neueren Forschungsergebnisse zusammen: „Emergierende Eigneschaften sind in allen Bereichen gefunden worden – Wirbel und Laser, chemische Oszillationen, genetische Netzwerke, Entwicklungsmuster, Populationsgenetik, Immun-Netzwerke, Ökologie und Geophysik. All diesen sehr unterschiedlichen Phänomenen ist gemeinsam, daß ein Netzwerk neue Eigenschaften entstehen läßt … Die Emergenz globaler Konfigurationsmuster in Systemen interagierender Elemente ist weder eine vereinzelte Kuriosität noch auf [bestimmte] Systeme beschränkt. Es scheint sogar, daß emergierende Eigenschaften in eng verknüpften Aggregaten kaum zu vermeiden sind.“2
und weiter:
Systeme habe fast immer die Eigentümlichkeit, daß die charakteristischen Züge des Ganzen nicht (auch nicht theoretisch) aus der Kenntnis der einzelnen oder in Teilkombinationen betrachteten Komponenten abgeleitet werden können, sei diese Kenntnis noch so gründlich. Diesem Auftauchen3 neuer Züge an Ganzen hat man den Namen „Emergenz“ gegeben. Auf das Emergenzprinzip greift man häufig zurück, wenn es gilt, so schwierige Phänomene wie Leben, Geist und Bewußtsein zu erklären. Tatsächlich ist Emergenz in gleicher Weise für nichtorganische Systeme charakteristisch …. Emergenz ist etwas Universales, und, wie Popper sagte, „Wir leben in einem Universum emergierender Neuartigkeit.“4
Für mich ist Emergenz einer DER zentralen Begriffe meiner Weltsicht. Aber folgen wir noch etwas Wilber:
2.1.1.6 Holons emergieren holarchisch
Jetzt müssen wir uns damit auseinandersetzen, dass Holons in höheren Einheiten zusammenfinden und so ganz neuartige Holons schaffen. Ein Standardbeispiel dafür ist sicher folgendes: Atome (eine holonische Ebene) verbinden sich unter bestimmten Bedingungen zusammen mit anderen Atomen zu Molekülen. Diese Moleküle haben gänzlich neue Eigenschaften (sie sind emergiert!) und bilden nun eine neue holonische Ebene5 Oder, wie Wilber das formuliert: „Moleküle enthalten Atome, aber nicht umgekehrt“
2.1.1.7 Schlußbetrachtung
Wir können uns die Welt also als Holarchie vorstellen, in denen Holons aus Subholons bestehen und sich zu neuen, umfassenderen Holons zusammenfügen. Dabei muss immer beachtet werden, dass dies nicht alle Holons tun, mache schließen sich eben NICHT zu weiteren größeren (emergierten) Holons zusammen. Oder sie bilden sich zwar zu größeren Strukturen, die aber nicht im eigentlichen Sinne emergiert sind. Ein Beispiel hierfür: Galaxienhaufen sind Ansammlungen von Galaxien (die ja Holons sind, natürlich), aber Galaxienhaufen haben keine „neuen“, d.h. emergierten Eigenschaften gegenüber den einzelnen Galaxien. Man könnte auch sagen, die Komplexität nimmt hier nicht zu.
Wo aber die Komplexität zunimmt, können wir von Holarchien sprechen. Die große Stufung ist sicher: Quanten → Elementarteilchen → Atome → Moleküle → Aminosäuren → Zellen/DNA → Vielzeller → Nervensystem → Gehirn → Säugetiere → Homo Sapiens
Wenn sich Holons emergierend mit anderen Holons zu tieferen (neuen) Einheiten zusammenfinden kann man von einer Holarchie sprechen, einer Aufeinanderfolge von holonischen Ebenen. Auch hier gibt es wichtige Eigenschaften, die Wilber aufzeigt. Ich möchte auf einige eingehen.
Laut Wilber gibt es ja bei Holons eigentlich keinen Ausgangspunkt, kein Ursprungsholon oder ähnliches, ebenso wenig ein Endholon. Das ist etwas, was ich nicht nachvollziehen kann. Denn wenn wir auch vielleicht noch nicht die kleinsten Einheiten des Beziehungsgeflechts der Materie kennen6, so kennen wir doch die größte Struktur, das Universum selbst. Und da dieses keinen „Rand“ hat, keinen Kontext in dem Sinne kann es auch kein Ganzes/Teil, kein Holon sein. Hier endet die Holarchie meines Erachtens.7 „An den Grenzen franzt es aus“ (siehe nächstes Kapitel)
Aber wenn man eine beliebige holonische Ebene herausnimmt, z.B. die der Atome, kann man sagen, dass aus diesen Holons zusammengesetzte Ebenen (Moleküle, Makromoleküle, Aminosäuren, Zellen etc.) höhere Holons sind und somit mehr Tiefe haben als die „darunter“ liegenden Vorläuferholons. Dafür aber haben sie weniger Spanne, denn es muss ja notwendigerweise weniger Moleküle als Atome geben.8
Aber gilt dies immer? Nein, tut es nicht. Denn es gibt mehr Gedanken als Menschen, mehr Worte als Buchstaben, allerdings gibt es mehr Sätze als Worte etc. Hier, in der sogenannten Nousspäre (des Weltbereiche des menschlichen Geistes) kehren sich manche Sätze um oder verlieren überhaupt ihre Gültigkeit. Darauf geht Wilber leider meines Wissens nicht ein. Ich denke, dies liegt daran, dass diese Sphäre so offen ist, d.h. dass die Gesetzmäßigkeiten nicht so stringent, nicht so festgelegt sind. Das sehen wir z.B. an den Schwierigkeiten psychologische Wahrheiten, Gesetzmäßigkeiten eindeutig fest zu legen. Es sind viele Interpretationen möglich und diese haben auch ihre Berechtigungen, obgleich sie sich manchmal diametral widersprechen. Diese Offenheit scheint sich auch auf der holonischen Ebene zu zeigen.
Wie man sieht, ist es bei genauem Betrachten schwer, tatsächlich für alle Holons geltende Eigenschaften zu finden. Woran liegt das? Ich behaupte es liegt an der Emergenz der Weltbereiche, bei der völlig neue Eigenschaften und Abhängigkeiten auftauchen. Und wahrscheinlich auch an zu starker Ausdifferentierung der Eigenschaften. Wenn wir zu viele Eigenschaften benennen wollen finden wir auch immer mehr “Ausnahmen”, die es eigentlich nicht geben darf.
Es scheint gar so zu sein, dass das, was wir Menschen als Erzeugnisse, als Technik, wohl auch als Kunst hervorbringen zum großen Teil nicht holarchisch strukturiert zu sein scheint. Nehmen wir das schöne, klassische Beispiel einer mechanischen Uhr: Sie besteht aus Teilen, die aber keine Holone sind, da sie nicht in sich Teil UND Ganzes sind. Und auch die Uhr selbst ist ja kein Holon, hat keine Transzendenz und Keine Kommunion und nichts. Demgegenüber sind Gemeinschaften (z.B. die steinzeitliche Horde) tatsächlich holarchisch organisiert. Hier gibt es einen Bruch (eine Grenze), an der die Systematik nicht mehr angewandt werden kann. Darüber muss man noch mehr nachsinnen.
2.2 “An den Grenzen franzt es aus”
Vielleicht liegt es aber auch an einem Phänomen, das über alle Ebenen, Holarchien, Weltbereiche hinweg gültig zu sein scheint, und das ich “An den Grenzen franzt es aus” genannt habe.
Soll heißen, dass immer in Übergangszonen jeglicher Art sich Gesetzmäßigkeiten, Bedingungen, Gewissheiten ändern bzw. unsicher werden, im Übergang ihre Gültigkeit verlieren. Und immer gibt es diesen Bereich des Unbestimmten. Beispiel(e) und Formel:
In der Physiosphäre finden wir den Übergang von einer Gaswolke zu einem Stern. Wenn die Bedingungen sich so verschoben haben wie es nötig ist “zündet” die Wasserstoffwolke und nach einem Übergangsstadium haben wir eine neue Sonne. Hier ist noch alles deterministisch festgelegt. Aber wir sehen, der eigentliche Wandel findet an der Grenzfläche statt, wenn sich z.B. Dichte und Drehimpuls und Gravitation innerhalb der Wolke so verschoben haben, dass das Zünden physikalisch notwendig ist. Und es gibt ein Zwischenstadium, wo Zustand A (Stickstoffwolke) nicht mehr und Zustand B (Sonne) noch nicht realisiert sind. Es gibt immer solche Zwischenzustände, jedenfalls finde ich keine Ausnahme. Und erst hier findet der Wandel statt und versagen auch die meisten Definitionen der Ursprungszustände (A) und der Endzustände (B). Sie sind einfach nicht mehr voll gültig. Das scheint ein universales Gesetz zu sein. Vielleicht kann man es so darstellen:
Z(A) → GB => Z(nA/nB) => Z(B)
Übersetzung:
Zustand von A verändert sich bis zu den Grenzbedingungen und eine Zeitlang gilt, dass der Zustand weder A noch B ist, dann aber gilt der Zustand B und nicht mehr der Zustand A
Ein weiteres Beispiel ist der Übergang von unbelebter (determinierter) Materie in belebte Materie (höherer Organisations- und Freiheitsgrad, offene Systeme). Wenn wir die drei Forderungen an belebte Materie (Reproduktion, Metabolismus, darwinsche Evolution) akzeptieren, dann ist es wohl die Protozelle, die als erstes echtes Lebewesen gelten muss. Aber zwischen Molekülen wie z.B. Alkohol und Aminosäuren und einer Protozelle liegt ja wieder jener unbestimmte Bereich, an dem der Wandel stattfindet und weder die Gesetze der determinierten Materie noch die der offeneren Systeme (Zelle) gelten hier zur Gänze.
Es gibt aber noch einen weiteren Bereich, an dem sich die Bedingungen ändern, ohne dass obige Formel zum Tragen kommt, einfach, weil es kein „Dahinter“ oder „Darüber“ mehr gibt. Ich spreche natürlich von der größten Struktur, die wir kennen, dem Universum selbst. Auch hier ändern sich Eigenschaften und Bedingungen und Gesetzmäßigkeiten, wenn wir an die „Grenze“ schauen (siehe Punk 2.1.1.7). „Außerhalb“ gibt es keinen Kontext mehr und die Einteilung in Holons funktioniert hier ebenfalls nicht (mehr). Ja, es gibt nicht einmal eine Grenze, die wir uns vorstellen können. Auch hier müssen wir mit Kant die Grenzen des menschlichen Geistes und seiner Vorstellungskraft anerkennen.
Nun ein anderer, aber ähnlicher Ansatz Sein zu verstehen.
2.3 Kleiner Exkurs in Bereiche verschiedenster „Nicht-Existenzen“
Das Leben ließ mich tanzen. Ich kenne die Tänze. Aber ich weiß nicht, wer der Tänzer ist.9
Die Theorie des holonischen Charakters der Welt sagt ja im Prinzip aus, dass nicht Gegenstände oder Felder grundlegend sind, sondern allen „Gegenständen“ (materieller und nicht materieller Art) gemeinsame Eigenschaften und Relationen zu Grunde liegen wie eben Ganzes/Teil zu sein und sich in Holarchien zu organisieren.
Zu ähnlichen Ideen ist man nun durch Erkenntnisse in der Quantenphysik gekommen. Dort negiert man mehr und mehr, das Teilchen und Felder die Grundbausteine der Welt sein sollen, ja, zum Teil geht man so weit zu behaupten, dass es gar keine Teilchen oder Felder gibt, sondern nur noch Relationen, die dann zu Teilchen und Feldern führen:
„Sowohl in der Teilchen- wie in der Feldinterpretation der Quantenphysik werden die vertrauten Begriffe »Teilchen« und »Feld« derart weit gefasst, dass sich allmählich die Meinung durchsetzt, die Welt könnte aus etwas ganz anderem bestehen.„10
oder auch:
„Immer mehr Leute glauben heute, dass es in Wirklichkeit nicht auf Dinge ankommt, sondern auf die Beziehungen zwischen ihnen. Dieser Standpunkt, der so genannte Strukturenrealismus, bricht mit herkömmlichen atomistischen Konzepten der materiellen Welt noch radikaler als alle ontologischen Varianten von Teilchen und Feldern.“11
Man kommt u.a. auf diese Idee, weil:
„Die Struktur der Welt, die ausdrückt, wie Dinge wechselwirken, ist der dauerhafteste Teil physikalischer Theorien. Neue Theorien können unsere Vorstellung von den Grundbausteinen der Welt umstürzen, aber oft bewahren sie die Strukturen“12
Im selben Artikel, aus dem diese Zitate sind, wird noch eine weitere Theorie mit ähnlicher Stoßrichtung vorgestellt:
„Was wir ein Elektron nennen, ist eigentlich ein Bündel aus verschiedenen Tropen[13]: drei feste Wesenseigenschaften (Masse, Ladung und Spin) sowie zahlreiche wandelbare nichtwesentliche Eigenschaften, die sich auf Wahrscheinlichkeiten für Ort und Geschwindigkeit beziehen. Zum Beispiel sagt die Theorie voraus, dass Elementarteilchen spontan entstehen und vergehen können. Obwohl im Vakuum die mittlere Anzahl der Teilchen null ist, wimmelt es von Aktivität. Unentwegt finden unzählige Prozesse statt, bei denen alle möglichen Teilchen erzeugt und sofort wieder vernichtet werden.“14
Je mehr wir uns in die Strukturen des Universums „hinein bohren“ desto weniger offenbart sich eine Welt, die jener Entspricht, aus der wir unsere Alltagserfahrungen beziehen. Dies gilt nicht nur für die oben genannten Ideen, die etwas wie Materie, Zeit,15 Ort etc. negieren, sondern auch für unsere Empfindungen eines Ichs, eines handelnden Bewusstseins, für unsere Weltwahrnehmung16
Ich bin natürlich völliger Laie, was etwa die Quantenphysik betrifft und kann daher nichts substantielles zu den obigen Ideen selbst sagen,17 doch scheint die Stoßrichtung deutlich zu sein:
Die Welt entspricht auf verschiedensten Ebenen nicht unserer spontanen Meinung von ihr.18
Die modernen Wissenschaften bringen uns ganz NEUE Welten (innere wie äußere) und verändern damit fundamental unsere Weltsicht, unser Weltbegreifen (wenn auch nicht unsere Welterfahrung, denn die muss notwendigerweise die sein, die uns unsere evolutionsbedingten Fähigkeiten und Beschränkungen quasi vorschreiben).19
Waren es früher Götter, die eigentlich unbegreiflich waren, aber mit menschlichen Worten beschrieben werden mussten, so sind es heute Quantenprozesse und Urknall, feuernde Neuronen und damit einhergehendes Bewusstsein, die nicht mehr mit alltagstauglicher Sprache zu vermitteln sind.
Und doch gab es schon vor 2500 Jahren einen, der (zumindest für das Bewusstsein, aber evtl. auch darüber hinaus) erstaunlich ähnliches formuliert hat: Siddharta Gautama Buddha.
Diese Ansicht von Bewusstsein und Selbst wird „Anatta“ genannt, was so viel wie: „Nicht-Selbst bedeutet.
„Die buddhistische Lehre von Anatta (Pāli) bezeichnet das Nichtvorhandensein eines permanenten und unveränderlichen Selbsts, eines festen Wesenskernes oder einer Seele (Atta bedeutet „das Angenommene“). Was normalerweise als „Selbst“ betrachtet wird, ist demnach eine Ansammlung von sich konstant verändernden, physischen und psychischen Bestandteilen („Skandhas“)“20
Bloß Leiden gibt es, doch kein Leidender ist da.
Bloß Taten gibt es, doch kein Täter findet sich.
Erlösung gibt es, doch nicht den erlösten Mann.
Den Pfad gibt es, doch keinen Wand'rer sieht man da.
Von Dauer, Schönheit, Glück, Persönlichkeit
Ist leer die erste und die zweite Wahrheit,
Von Ichheit leer das todlose Gebiet,
Und ohne Dauer, Glück und Ich der Pfad.21
Als kleines Bonmot sozusagen möchte ich anmerken, dass die Deutsche Sprache diesen Gedanken ebenfalls widerspiegelt, in dem es ihr durchaus möglich ist, mich als Besitzenden von allem Möglichen zu definieren (mein Arm, meine Gedanken, meine Gefühle, meine Schmerzen, mein Ich, mein Bewusstsein, mein Körper, mein Geist u.s.w. ad infinitum) aber völlig unfähig ist, den Besitzenden zu benennen, denn wenn alles mir gehören kann, was soll dann noch ich sein?
Bloß Besitz gibt es, doch kein Besitzender ist da, könnte man kolportierend sagen.
Wenn es nun aber einem Buddha durch reine Introspektion möglich war, sich solchermaßen aus der gewöhnlichen Alltagswahrnehmung heraus zu begeben, dass er Erkenntnisse hat, die die modernen Natur- und Geisteswissenschaften erst langsam zu erfahren beginnen,22 dann muss man doch annehmen, dass es mehr als einen Weg zum Begreifen der Welt gibt. Es ist über die Maßen faszinierend, dass der menschliche Geist anscheinend eben doch ein gutes Stück weit hinter jene Leinwand schauen kann, auf der sich für ihn die Welt abspielt OHNE DASS ER NORMALERWEISE DIESE LEINWAND WAHRNEHMEN KANN. Normalerweise! Thomas Metzinger nennt diese „Leinwand“ den Bewusstseins-Tunnel, in dem wir (und alle höher organisierten Tiere) quasi gefangen sind. Und wir Menschen setzen noch eins drauf:
„Ein Ego-Tunnel ist ein Bewusstseins-Tunnel, der die zusätzliche Eigenschaft entwickelt hat, eine stabile Erste-Person-Perspektive zu erzeugen, eine subjektive Sicht auf die Welt. Es ist ein Bewusstseins-Tunnel plus das Erscheinen eines phänomenalen Selbst.“ 23
Zwar erkennen er und sicher auch einige Wissenschaftler die Erkenntnisse Buddhas und anderer „Weisen“ durchaus an (es werden ja auch genügend neurologische und neurowissenschaftliche Untersuchungen an sog. „Langzeitmeditierenden“ mit entsprechenden Ergebnissen durchgeführt), doch fürchte ich, dass die Wissenschaften (zusammen mit der „Moderne“ an sich)24 letztendlich diesen anderen Weg nicht fördern, sondern, vielleicht ohne es zu wollen, unterdrücken werden. Wir steuern sicher auch hier – leider - auf eine Monokultur des Geistes zu.25
Ich bin überzeugt davon, dass Menschen, die man gemeinhin „Erleuchtete“ oder „Erlöste“ nennt, es geschafft haben mit Hilfe der von ihnen angewandten Techniken ihr Bewusstsein tatsächlich umfänglich umzustrukturieren.26
Auch Thomas Metzinger geht in diese Richtung, wenn er schreibt:
„Anscheinend verändert also wiederholte Meditationspraxis die Tiefenstruktur des Bewusstseins“27
Aber das ist nicht das eigentliche Thema dieses Exkurses. Vielmehr geht es ja um den Komplex, dass einerseits unser natürliches Empfinden der Welt wohl zwar effektiv ist (d.h. unser Überleben und die Reproduktion der Art sichert) andererseits aber fundamental falsch zu sein scheint und es zum Anderen besonderen Vertretern der Spezies Homo sapiens DOCH möglich war, auf dem Gebiet des Bewusstseins und der Wahrnehmung ein Stück weit hinter den Schleier zu schauen, der uns umgibt. Dies wird beides hier nur angerissen, doch eröffnen sich durch beide Erkenntnisse große Weiten, deren Implikationen wir noch gar nicht absehen können.
Zum Schluß noch ein Zitat, das beide Welten (die der Physik wie die des Bewusstseins ein Stück weit zusammenführen können, und das erneut unter der Ägide des Buddhismus, der nämlich sagt:
„… daß die Persönlichkeit des Menschen nur eine Erfahrungseinheit ohne essentiellen Kern ist. Die Frage nach dem Selbst ist für den Buddhismus bedeutungslos; der Buddhismus denkt nicht in Begriffen der Substanz und des Seins, sondern in Begriffen von Qualität und Geschehensprozessen. 2829
2.4 WELTBEREICHE – Sphären der Entwicklung
Der integrale Philosoph Ken Wilber, dem ich schon bei der Theorie der Holone gefolgt bin, und dem ich auch nun bis zu einem bestimmten Punkt folgen will, nennt vier große Sphären oder, wie ich es nenne, Weltbereiche:
Physiosphäre / Biosphäre / Noussphäre / Geist
Schon vorab, den letzten dieser Weltbereiche halte ich für nicht existent. Aber gehen wir die Bereiche einmal durch und definieren sie, so weit das möglich ist.
2.4.1 Die Physiosphäre
Hierunter kann man eigentlich nur ALLES was physikalischen Charakter hat verstehen. Alles, was im Moment des Urknalls entstanden ist und alles, was in den folgenden Prozessen automatisch geworden ist. Damit umfasst diese Sphäre aber eigentlich ALLES WAS EXISTIERT. Aus ihr entsteht alles und in ihr ist alles enthalten. Also auch die weiteren Weltbereiche.
2.4.2 Die Biosphäre
Was ist Leben? Nun, es gibt Übergangsbereiche von unbelebter zu belebter Materie. Und nach dem Diktum: “An den Grenzen franzt es aus” gibt es keine Schnittkante zwischen den Weltbereichen, sondern eine Übergangszone. Aber ab der ersten Protozelle gibt es einen Weltbereich, in dem ganz neue, nicht vorhersehbare Gesetzmäßigkeiten und Möglichkeiten entstehen.
Klassisch (und nicht falsch) wird Leben ja mit drei Eigenschaften in Verbindung gebracht: Reproduktion, Stoffwechsel und darwinistische Evolution. Also die Vervielfältigung einer biol. Einheit (die Kleinste ist die Zelle), dann die Möglichkeit Stoffe aufzunehmen und umzuwandeln und daraus Energie zu gewinnen für die Aufrechterhaltung der Einheit und in Zusammenhang mit der Reproduktion die Fähigkeit, sich über Generationen hinweg zu verwandeln, an Umweltbedingungen anzupassen und zu überleben.
Daneben muss man für diesen Weltbereich auch sagen, dass die Komplexität der Interaktion zwischen den Holons exponentiell gestiegen ist. Wechselwirkungen, Rückkopplungen, Autopoiese, Selbsterhaltung von Systemen lassen gänzlich neue Möglichkeiten von Wachstum, Entwicklung, Interaktion zu, die in der reinen Physiosphäre nicht möglich waren. Und hier müssen wir über ein Phänomen, eine Möglichkeit der Welt reden, die unglaublich ist und in diesem Übergang von der Physiosphäre in die Biosphäre so herrlich aufscheint. Aber dieses Phänomen ist allgegenwärtig und zeigt sich schon in der reinen Physiosphäre (z.B. beim Übergang von Atomen zu Molekülen).
Ich rede vom Phänomen der Emergenz.
2.4.3 Einschub: Das große Phänomen der Emergenz
Erst einmal meine Definition:
Emergenz ist das unvorhergesehene Auftauchen von neuen Strukturen aus Vorgängerstrukturen. Diese neuen Strukturen haben nun nicht nur andere Eigenschaften als die Vorgängerstrukturen sondern diese neuen Eigenschaften sind auch nicht durch die Eigenschaften der Vorgängerstrukturen zu erklären oder aus ihnen abzuleiten.
Statt “Strukturen” kann man natürlich auch “Holons” sagen!
Einfaches Beispiel gefällig? Wenn die Umweltbedingungen stimmen verbinden sich Atome zu Molekülen (neue Strukturen aus Vorgängerstrukturen). Diese Moleküle aber haben gänzlich neue und andere Fähigkeiten und Eigenschaften, als die Atome, aus denen sie bestehen. Und diese Eigenschaften kann man nicht aus den Eigenschaften der Atome ableiten.
Nahe verwandt ist natürlich das altbekannte Diktum des Aristoteles: “Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile”.
Und nun die Definition aus Wikipedia:
Die Emergenz entsteht in den meisten Fällen auf Basis der spontanen Selbstorganisation. Das Konzept der emergenten Selbstorganisation kann man folgendermaßen beschreiben:
Mehrere, viele oder sehr viele Elemente verbinden sich auf der Basis ihrer Wechselwirkungen, die meist nur zwischen den nächsten Nachbarn wirken, spontan zu Systemen mit bestimmten neuen Strukturen, Eigenschaften und Fähigkeiten. Der Grund dafür sind Rückkopplungen in den emergenten Prozessen und als deren Folge nichtlineare Abläufe und die Komplexität der Systeme.
Und weiter:
Es gibt viele unterschiedliche Arten der emergenten Selbstorganisation in der unbelebten und der belebten Welt.[8] Bezogen auf den Energiehaushalt können emergente Prozesse sowohl im thermischen Gleichgewicht verlaufen, d. h. ohne Energieaustausch mit der Umgebung, als auch unter Abgabe (exotherm) oder Aufnahme von Energie (endotherm). Beispiele für die Selbstorganisation im thermischen Gleichgewicht sind die Entstehung der ferromagnetischen Ordnung und die Supraleitung. Beispiele für die Entstehung von mehr Ordnung ohne die Zufuhr von Energie sind die Bildung der leichteren Atomkerne (bis zum Nickel), die Entstehung der Atome aus Kernen und Elektronen, die Entwicklung der Sterne, die Wechsel der Aggregatzustände (kondensieren, erstarren) und exotherme chemische Reaktionen. Beispiele für die Entstehung von mehr Komplexität und Ordnung, die Energie von außen benötigt, sind die Bildung der schweren Atomkerne jenseits vom Nickel, Konvektionsmuster in erhitzten Flüssigkeiten, der Laser, endotherme chemische Reaktionen, und vor allem die Entstehung und Entwicklung des Lebens, die biologische Evolution, die geistigen Prozesse im Gehirn und die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft. Diese Prozesse sind nur weit entfernt vom thermischen Gleichgewicht und unter Zufuhr von Energie und/oder Materie möglich.
Die spontane Selbstorganisation ist in erster Linie ein zeitlicher Vorgang, ein Prozess, führt aber meist auch zu einer dauerhaften Struktur des dadurch entstandenen Systems. Es gibt Prozesse der Selbstorganisation, die so schnell verlaufen, dass für den Beobachter nur das Ergebnis, die geänderte Struktur, sichtbar wird. Dazu gehören beispielsweise viele exotherme chemische Reaktionen. Bei anderen Vorgängen kann für einen Beobachter der zeitliche Verlauf im Vordergrund stehen, beispielsweise bei der Entwicklung des Lebens. Selbstorganisierte Systeme sind in der Regel selbst wieder Elemente der Selbstorganisation und können weitere übergeordnete Systeme bilden. Dadurch ergibt sich schließlich eine Hierarchie von selbstorganisierten Systemen, aus der unsere Welt aufgebaut ist. Auf diese Weise verursachen die emergenten Prozesse selbstorganisiert die zunehmende Komplexität in der Entwicklung der Welt, sowohl in der unbelebten Natur als auch in der belebten Natur und in der Gesellschaft. Die emergente Selbstorganisation verbindet als durchgängiges Prinzip die materielle Welt mit der Welt des Geistes. 30
Und dieser letzte Satz “Die emergente Selbstorganisation verbindet als durchgängiges Prinzip die materielle Welt mit der Welt des Geistes.” ist es auch, weshalb dieses Phänomen so wichtig ist:
Es ist universell und findet auf jeder Holarchieebene statt, in jedem Weltbereich. Ja, es ist praktisch allgegenwärtig.
Laut der Definition aus Spektrum der Wissenschaft gilt auch folgendes:
Der Emergenz verwandt ist der Begriff "Phasenübergang", womit der Übergang zwischen einer bereits bestehenden Struktur in eine neue gemeint ist (griech. phasis = Erscheinungsform), wobei grundsätzlich eine chaotische Phase durchlaufen werden muß.31
Und das führt uns ja direkt zu 2.2 An den Grenzen franzt es aus !
2.4.4 Die Noussphäre
Bevor ich zu dieser letzten Sphäre komme, noch ein Rückgriff auf das vorherige Kapitel. In diesen Weltbereichen werden einige der Fähigkeiten der Holons erfüllt. So ist die Biosphäre ja ganz deutlich aus der Physiosphäre „zusammengesetzt“ und emergiert aus dieser. Sie hat eine kleinere Spanne aber eine größere Tiefe und sie ist von ihren Subholons abhängig (ohne Materie keine Biologie). Aber eben dieses Emergieren ändert auch gewisse Eigenschaften. So sterben Zellen, wenn der Organismus, den sie bilden stirbt32. Und wenn aus einem Teil der Biosphäre die Noussphäre emergiert, dann ändern sich die Eigenschaften wiederum (s.o.). So hat jeder dieser Weltbereiche seine ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten.
Nous oder Nus (altgriechisch νοῦς [nûːs]) ist ein Begriff der antiken griechischen Philosophie. In der philosophischen Fachsprache bezeichnet der Ausdruck die menschliche Fähigkeit, etwas geistig zu erfassen, und die Instanz im Menschen, die für das Erkennen und Denken zuständig ist.33
Die Noussphäre ist nun, kurz gesagt, einfach die Gesamtheit des jeweils aktuell greifbaren menschlichen Geistes. Alles, was Menschen in diesem Augenblick wissen oder können oder über sich selbst, andere und die Welt reflektieren. Alles, was unseren Geist, unsere Intelligenz, unsere Fähigkeiten von denen der Tierwelt unterscheidet.
Und sogleich beginnen die Grenzfragen (An den Rändern franzt es aus...)! Gehören nun auch die Erzeugnisse des Menschen zur Noussphäre? Die Bilderhöhle von Lascaux oder das Taj Mahal oder der Dieselmotor? Ich denke, dies ist eine Frage der Definitionen und Grenzziehungen. Wir können aber feststellen, dass der Bereich der Unbestimmtheit Z(nA/nB) hier, im Reich des menschlichen Geistes, noch größer ist als z.B. im Übergang von Physio- zu Biosphäre. Es gibt mehr offene Fragen, mehr Unsicherheiten. Das ist vollkommen passend, denn durch den großen emergenten Sprung in die Noussphäre verflüchtigt sich das materielle noch mehr als im Übergang zur Biosphäre wo schon viel mehr Rückkoppelungs- und Selbstorganisierungsmechanischmen auftauchen, als in der Physiosphäre. Obwohl hier ja sowieso dem Ansatz gehuldigt wird, dass es weit eher um Korrelationen ZWISCHEN den Dingen geht, dass das Universum eher aus Strukturen als aus Teilchen oder Feldern besteht, scheint mit jedem emergenten Sprung die Komplexität dieser Strukturen noch einmal sprunghaft zuzunehmen und damit aber auch die Ungreifbarkeit und das Unbestimmte. Je mehr Freiheit/Offenheit ein Weltbereich besitzt, desto mehr Unbestimmtheit bringt er auch automatisch mit sich!
Wir können aber auch anders an die Fragestellung herangehen, was denn alles die Noussphäre ausmacht und woraus sie “besteht”. Wir können uns eine Welt, eine Erde vorstellen, in der der Homo sapiens sich NICHT entwickelt hat und sagen, dass alle Unterschiede zwischen dieser gedachten Welt und unserer Welt eben jene Noussphäre ist. Aber natürlich wird auch dadurch der Bereich der Unbestimmtheit nicht kleiner, denn wir haben ja alles so weit verändert auf der Erde, dass man z.T. schon vom sogenannten “Anthropozän” spricht. Wir also die gesamte Welt so sehr verändert haben, dass unsere Spuren noch in geologischen Zeiträumen zu finden sein werden.
Daher wage ich einfach einmal eine Definition, wohl wissend, dass sie unzureichend sein wird.
Die Noussphäre ist die Sphäre des menschlichen Geistes. Eines Geistes, der sich weit über die geistigen Möglichkeiten der Tierwelt hinaus entwickelt hat. Sie ist die Summe aller im Augenblick zur Verfügung stehenden Informationen, allen Wissens, aller Fähigkeiten der gesamten Menschheit.
Aber weder die Erzeugnisse dieses Geistes noch die Veränderungen, die durch die geistigen Möglichkeiten des Menschen entstanden sind gehören zum Kern dieser Sphäre, sondern sind quasi Ergebnisse des Geistes, des Weltbereichs. Man könnte sie als sekundäre Merkmale bezeichnen.34 Folgendes ist also grundsätzlich:
Nur das, was in diesem Augenblick an Wissen, Können, Denken, Fähigkeiten vorhanden und unmittelbar greifbar ist macht die Noussphäre aus.
Das “Es war einmal” des Geistes35 gehört vielleicht zu seiner Geschichte, aber nicht (mehr) zu ihm selbst. Es ist ein bisschen wie mit Fossilien. Einst waren es ja tatsächlich Lebewesen die z.B. durch die Urmeere schwammen, aber nun sind es eben versteinerte Erinnerungen und gehören nicht mehr der Biosphäre an.
Wir können also festhalten, dass mit jedem Menschen, der geboren wird und langsam seinen sich selbst reflektierenden Verstand entwickelt etwas zur Noussphäre hinzu kommt, und mit jedem Menschen, der Stirbt etwas davon abgezogen wird. Es geht also hierbei nicht etwa um “die großen geistigen Errungenschaftern des menschlichen Geistes”, sondern wirklich um ALLES, was menschlicher Geist hier und JETZT wissen, denken, schaffen, tun kann. Auch das schlimmste und böseste oder dümmste oder langweiligste Leben ist ein Teil dieser Sphäre.
Daher sind für mich auch alle Aufzeichnungstechniken, die die Menschheit je geschaffen hat NICHT Teil des eigentlichen Weltbereiches, sondern gehören zu den sekundären Merkmalen der Sphäre.
Im Umkehrschluß bedeutet dies natürlich: Wenn der letzte Mensch im Universum stirbt hört auch die Noussphäre auf zu existieren!
Wenn man möchte, kann man also von der Noussphäre durchaus als vom Geist des Menschen an sich sprechen.
Dieser Geistbegriff ist aber kein getrennter, sondern ein inherenter! Geist entsteht durch die Gemeinschaft der Menschen. Geist ist die Gesamtheit dessen, was in uns wahrnimmt, denkt, versteht, Zusammenhänge schafft, spricht. Und so ist mein GEIST ein zersplitterter Geist, denn er besteht aus den einzelnen Menschen, von denen jede/r wie das Stück eines zerborstenen Spiegels einen kleinen Teil der Welt widerspiegelt. Was nicht bedeutet, dass alle Stücke zusammengenommen etwa die ganze Wirklichkeit zeigen würden!
Aber wir wollen ja nicht nur atomistisch von einzelnen Menschen sprechen und unsere Noussphäre nur aus Einzelindividuen zusammensetzen. Nehmen wir also eine kleine Gruppe von Menschen, die miteinander sprechen und ein Problem angehen. Keine und keiner von Ihnen würde alleine zu einer adäquaten Lösung gelangen,gemeinsam aber gelingt es ihnen, nachdem sie in Rückkopplungsschleifen, in Assoziationen, in wechselseitigem Befruchten zu einer Lösung gelangen, haben sie wieder etwas zur Noussphäre beigetragen.
Die Noussphäre ist also ein wabernder Geist, in dem changierend Wissen, Können, Fähigkeiten verlorengehen oder neu hinzukommen (vor 30 Jahren gehörte die Fähigkeit zur Herstellung eines Handys nicht zu den Inhalten des GEISTES, aber vor 3500 Jahren gehörte Linear A (eine bis heute nicht entzifferte Schrift) zur Noussphäre, heute aber nicht mehr).
Warum nur der Menschengeist?
Wir wissen um keinen „Idealen“ Geist, der nachweislich irgendwo, irgendwie existiert. Es gibt Spekulationen und Ideologien, aber keine profunden Beweise oder auch nur Hinweise für eine solche Existenz.
2.4.4.1 Außerirdisches, intelligentes Leben
Außerirdisches, intelligentes Leben mag mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit irgendwo im Universum existieren (oder einmal existiert haben), vielleicht gar mehrfach. Aber es gibt keine uns bekannte Wechselwirkung zwischen jenen Noussphären und unserer menschlichen Noussphäre, weshalb eine gemeinsame Betrachtung keinen Sinn ergibt.
Hier, trotzdem, als kleiner Exkurs, noch ein Gedanke zur Wahrscheinlichkeit von intelligentem Leben im All.
Wie oben ausgeführt müssen nach wissenschaftlichem Denken dieselben Grundbedingungen beim richtigen Kontext zu ähnlichen Ergebnissen führen. Daher ist es nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich, dass anderswo intelligentes Leben existiert hat oder existiert oder existieren wird.
Auf die Probleme, die durch die unglaublichen Entfernungen und die Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit auf die Geschwindigkeit des Lichts (oder sogar etwas weniger) beschränkt ist wird ja regelmäßig in solchen Betrachtungen hingewiesen.
Was aber nur selten in die Überlegungen mit einfließt ist der Faktor Zeit.
Die Bedingungen für Leben entstanden auf der Erde voraussichtlich vor ungefähr 3.8 Milliarden Jahren. Und erst vor ca. 7 Millionen Jahren begann die Spezies Homo damit, ein Hirn zu entwickeln, das zu wirklichen geistigen Glanzleistungen fähig ist. Und war, zumindest vorläufig, erst vor 300.000 Jahren damit fertig.
Und dies bedeutet wohl, dass solche “Entwicklungen” nur sehr selten vorkommen36 , wenn überhaupt selbst unter ansonsten extrem lebensfreundlichen Umweltbedingungen37
Wir kennen natürlich nicht die durchschnittliche Lebensspanne einer intelligenten Spezies im All, aber selbst wenn sie im unwahrscheinlichen Fall Jahrmillionen (von denen wir noch weit entfernt sind) misst, ist die Wahrscheinlichkeit, dass viele intelligente Spezies nebeneinander im All existieren verschwindend klein. Wenn wir nun die kaum mehr als 100 Jahre, in denen wir fähig sind, Radiosignale auszusenden oder zu empfangen dazunehmen wird die Wahrscheinlichkeit einer Kontaktaufnahme noch einmal sehr viel kleiner (wenn wir davon ausgehen, dass andere intelligente Spezies ebenfalls mal eben 300.000 Jahre brauchen, um eine interstellar brauchbare Technik zu entwickeln). Wir sollten also nicht zu sehr darauf hoffen, unser Wissen, unsere Weltsicht und unsere Gedanken mit anderen intelligenten Spezies von Außerhalb vergleichen zu können.
2.4.4.2 Echte künstliche Intelligenz – irgendwann einmal ein Teil der Noussphäre?
a
Damit ist natürlich jeder Wunsch nach irgendeiner Dauerhaftigkeit ein Widerspruch in sich. Es gibt nichts, was irgendwie statisch, dauerhaft, fest wäre.
2.5.9 AQAL und ein paar angrenzende Gedanken
Man kann sagen alles hat Breite und Tiefe – Dimension. Und auf dieser Idee beruht auch das AQUAL-System. AQUAL steht für alle Quadranten und alle Level, also für Breite und Tiefe. Beginnen wir mit den Quadranten. Es ist ein System von vier Bereichen:
Hier haben wir Subjektiv (linke Hälfte) und Objektiv (rechte Hälfte) aber auch die solitäre Betrachtungsweise (obere Hälfte) und die kollektive (untere Hälfte) und damit ist das gesamte Spektrum abgedeckt. Betrachten wir als Beispiel doch mal diese Philosophie: Sie ist von mir geschrieben, aus meiner persönlichen Sicht, aus meinem Leben heraus. Aber ich versuche sie mit einer Es-Sprache, mit einer objektiven Betrachtungssprache zu schreiben. Nicht nur, aber doch hauptsächlich, um eine sachliche Betrachtungsweise einzunehmen. Aber ich bin ja nicht im luftleeren Geistraum, sondern bin in meinen Kulturraum eingebettet und fuße auf dem, was andere schon gedacht und geschrieben haben. Daher auch die Fußnoten. Und das Ganze findet im konkreten Sozialraum Deutschland statt, einem politischen und organisatorischen Umfeld, das es mir möglich macht frei zu schreiben. Und tatsächlich ist keine dieser Betrachtungsweisen der anderen überlegen oder wichtiger.
Und nun die Tiefendimension. Hier gibt es verschiedene Modelle. Viel wird hier das spiral Dynamics Modell verwendet, aber es gibt ja auch andere „Entwicklungsmodelle“ wie z.B. Maslow (Bedürfnispyramide), Piaget (Kognitionsentwicklung) oder Kohlberg (Moral). Und letztlich ist ja schon das holonische Modell und die Sphären ein solches Entwicklungsmodell. Wir können in jedem Fall festhalten, dass es quasi eine Schichtung von sich verändernden (entwickelnden?) Quadranten gibt, die sich übereinanderlegen. Um im Philosophie-Beispiel zu bleiben gibt es ja auch hier eine Schichtung z.B. der westlichen Philosophien seit der Antike. Und jede dieser Philosophien hat ja alle vier Quadranten, denn sie wurde von Individuen geschrieben, die in einem persönlichen und organisatorischen Umfeld lebten. Aber es muss gar nicht eine Schichtung sein wie aufeinander folgende Erdschichten. In unserem Philosophiebeispiel ist es ja eher eine weitverzweigte Baumstruktur, die sich da gebildet hat in den zweieinhalbtausend Jahren aufgezeichneter Geistesgeschichte.
Natürlich ist dieses Modell sehr leicht und eindeutig in einem menschlichen Umfeld zu beleuchten und zu verstehen. Schwieriger wird es, wenn wir uns etwas unbelebtes vornehmen wie eine Galaxis zum Beispiel. Was ist hier das Wir und das Ich und das Du und das Es? Demgegenüber ist die Tiefendimension leicht zu verstehen, denn das ist eben das holonische Entfalten seit dem Urknall.
In Annäherung können wir vielleicht sagen, die Galaxis selbst ist das Ich, das Eine, die anderen Galaxien sind das Wir, die ES-Seite wären dann die physikalischen Grundlagen. Hier ist das Modell natürlich nicht so ergiebig wie in der Noussphäre oder auch in der Biosphäre. Aber doch ist es grundlegend wichtig zu verstehen, dass auch hier eben alles betrachtete und gleich gewertet werden kann und muss. Dies ist überhaupt das wichtigste an dem Modell, dass wir immer die Ganzheit schauen müssen, oder es zumindest versuchen. Dies gehört ja essentiell zu dem Komplex dieser Philosophie aufzuzeigen, dass die Welt ein geordnetes Ganzes ist, das aber nicht steril in Schubladen gepackt ist, sondern auch ein nach oben und unten offenes System ist, das nicht komplett erfasst werden kann. Wir müssen uns immer darüber im klaren Sein, dass wir es nicht völlig und in seiner Gesamtheit erfassen können, dies alles, was wir so gerne „die Welt“ nennen. Und natürlich ist auch die Frage erlaubt, die die ganz modernen PhilosophInnen stellen: Und was ist denn nun mit der Welt? Ist sie ein Teil der Welt oder nicht? Und kann man sie jetzt auch holonisch betrachten, die Welt, das GESAMTE? Aber, nun ja, an den Grenzen franzt es aus!
2.5.10 Ein Weg durch den Wirrgarten von Sinn und Sein
Denn, letzten Endes, wozu bist du gut? Oder ich? Ist der Berg Gont zu etwas gut? Oder das Meer?63
Mit dem Sinn ist es wie mit dem Sein der Welt der Holone. Er benötigt einen Kontext. Es kann alles nur einen Sinn haben in der Verbindung zu etwas anderem, aber das gesamte Sein hat keinen Sinn, da dieses Weltganze ohne Anbindung ist an etwas Anderes. Und somit ist das GESAMTE Sein ohne Sinn. Aber Einzelnes innerhalb dieses Weltganzen, auch wir, hat durchaus Sinn, oder, besser, MACHT Sinn.
Man kann ganz unbedarft sagen, Atome hätten den Sinn sich zu Molekülen verbinden zu können, diese dann sich zu lebenden Systemen zu verbinden. Unsere Leben machen Sinn für Andere, machen Sinn für die Noussphäre. So lange man sich etwas auf Anderes beziehen kann steckt in dieser Verbundenheit auch Sinnhaftigkeit. Das Eine ist für etwas anderes Da (was sonst sollte Sinn produzieren?) Zusammenhänge, Abhängigkeiten, Verbundenheiten schaffen Sinn.
Wir können auch die Bedeutung des Wortes selbst betrachten: Sinn = Wahrnehmungsorgan. Wahrnehmen kann ich auch nur was existiert. Hier kommt, zumindest in der deutschen Sprache, der Zusammenhang zwischen Sinn und Sein nochmals zutage. „Sein“ impliziert also Sinnhaftigkeit. Gerade im Deutschen haben wir ja auch die Verbindung zwischen Denken und Sinn, im Begriff des Nachsinnens über etwas.
Vielleicht müssen wir aber auch genauer nachsehen, warum es für uns so wichtig ist, dass alles einen Sinn macht (oder hat). Sinn bedeutet ja auch „Grund etwas zu tun, Grund zu existieren“. Wir brauchen einen Grund, um unsere Existenz zu rechtfertigen, Wert zu schätzen, ja vielleicht um sie überhaupt zu begreifen. Wenn etwas begründet ist, macht es auch Sinn. Begründet bedeutet ja auch, auf (sicherem?) Grund zu stehen. Sprache hilft uns hier sehr, der Bedeutung von Sinn und Sein auf den Grund zu gehen, denn sie spiegelt das, was hinter und in den Begriffen schlummert.
Und nach solch einer Umrundung des Sinnbegriffes kann man festhalten, dass Leben und Sein durchaus Sinn machen, wir also nicht in einem sinnleeren Universum hausen müssen. Für unsere kleinen, begrenzten Leben gibt es Sinn in Hülle und Fülle, nicht aber für das Weltganze, das Universum, die WELT an sich. Dieses existiert sinnfrei. Doch an dieser Grenzfläche geraten wir wie immer an das Problem des infiniten Regesses, denn welchen Sinn sollte das Weltganze denn auch machen? Einem Gott zu dienen als Spielwiese oder als Lernort für Seelen, die sowieso wiederum nur Teil dieses göttlichen Seins sind? Und welchen Sinn macht dann diese Überwesenheit? Nun fehlt plötzlich ihr der Kontext, denn außer „Ihr“ existiert ja dann letztendlich gar nichts. Macht also auch keinen Sinn.
Begnügen wir uns also mit der letztlich unendlichen Anzahl von Sinnhaftigkeiten innerhalb des Weltganzen, den wechselseitigen und höchst wundersamen Verbindungen und Abhängigkeiten der holonischen Welt, die Sinn durch Verbindung erstellt. Alles ist für etwas anderes da und notwendig und macht somit Sinn, aber das ALLES eben nicht.
Und der Mensch an sich. Wofür ist der da? Nun, wir sind natürlich als ultrasoziale Wesen füreinander da, Menschen machen für Menschen Sinn. Aber vielleicht darf man auch den Gedanken haben, dass wir dazu da sind, über alles andere Nachzusinnen, die BetrachterInnen der Welt zu sein, dem geistlosen Ganzen dadurch etwas Verständnis einzuhauchen. Wir wären damit, wenn auch nur für eine begrenzte Zeit, für alles da, da wir uns in Beziehung zu allem Anderen setzen können und wollen.

Hier haben wir Subjektiv (linke Hälfte) und Objektiv (rechte Hälfte) aber auch die solitäre Betrachtungsweise (obere Hälfte) und die kollektive (untere Hälfte) und damit ist das gesamte Spektrum abgedeckt. Betrachten wir als Beispiel doch mal diese Philosophie: Sie ist von mir geschrieben, aus meiner persönlichen Sicht, aus meinem Leben heraus. Aber ich versuche sie mit einer Es-Sprache, mit einer objektiven Betrachtungssprache zu schreiben. Nicht nur, aber doch hauptsächlich, um eine sachliche Betrachtungsweise einzunehmen. Aber ich bin ja nicht im luftleeren Geistraum, sondern bin in meinen Kulturraum eingebettet und fuße auf dem, was andere schon gedacht und geschrieben haben. Daher auch die Fußnoten. Und das Ganze findet im konkreten Sozialraum Deutschland statt, einem politischen und organisatorischen Umfeld, das es mir möglich macht frei zu schreiben. Und tatsächlich ist keine dieser Betrachtungsweisen der anderen überlegen oder wichtiger.
Und nun die Tiefendimension. Hier gibt es verschiedene Modelle. Viel wird hier das spiral Dynamics Modell verwendet, aber es gibt ja auch andere „Entwicklungsmodelle“ wie z.B. Maslow (Bedürfnispyramide), Piaget (Kognitionsentwicklung) oder Kohlberg (Moral). Und letztlich ist ja schon das holonische Modell und die Sphären ein solches Entwicklungsmodell. Wir können in jedem Fall festhalten, dass es quasi eine Schichtung von sich verändernden (entwickelnden?) Quadranten gibt, die sich übereinanderlegen. Um im Philosophie-Beispiel zu bleiben gibt es ja auch hier eine Schichtung z.B. der westlichen Philosophien seit der Antike. Und jede dieser Philosophien hat ja alle vier Quadranten, denn sie wurde von Individuen geschrieben, die in einem persönlichen und organisatorischen Umfeld lebten. Aber es muss gar nicht eine Schichtung sein wie aufeinander folgende Erdschichten. In unserem Philosophiebeispiel ist es ja eher eine weitverzweigte Baumstruktur, die sich da gebildet hat in den zweieinhalbtausend Jahren aufgezeichneter Geistesgeschichte.
Natürlich ist dieses Modell sehr leicht und eindeutig in einem menschlichen Umfeld zu beleuchten und zu verstehen. Schwieriger wird es, wenn wir uns etwas unbelebtes vornehmen wie eine Galaxis zum Beispiel. Was ist hier das Wir und das Ich und das Du und das Es? Demgegenüber ist die Tiefendimension leicht zu verstehen, denn das ist eben das holonische Entfalten seit dem Urknall.
In Annäherung können wir vielleicht sagen, die Galaxis selbst ist das Ich, das Eine, die anderen Galaxien sind das Wir, die ES-Seite wären dann die physikalischen Grundlagen. Hier ist das Modell natürlich nicht so ergiebig wie in der Noussphäre oder auch in der Biosphäre. Aber doch ist es grundlegend wichtig zu verstehen, dass auch hier eben alles betrachtete und gleich gewertet werden kann und muss. Dies ist überhaupt das wichtigste an dem Modell, dass wir immer die Ganzheit schauen müssen, oder es zumindest versuchen. Dies gehört ja essentiell zu dem Komplex dieser Philosophie aufzuzeigen, dass die Welt ein geordnetes Ganzes ist, das aber nicht steril in Schubladen gepackt ist, sondern auch ein nach oben und unten offenes System ist, das nicht komplett erfasst werden kann. Wir müssen uns immer darüber im klaren Sein, dass wir es nicht völlig und in seiner Gesamtheit erfassen können, dies alles, was wir so gerne „die Welt“ nennen. Und natürlich ist auch die Frage erlaubt, die die ganz modernen PhilosophInnen stellen: Und was ist denn nun mit der Welt? Ist sie ein Teil der Welt oder nicht? Und kann man sie jetzt auch holonisch betrachten, die Welt, das GESAMTE? Aber, nun ja, an den Grenzen franzt es aus!
2.5.10 Ein Weg durch den Wirrgarten von Sinn und Sein
Denn, letzten Endes, wozu bist du gut? Oder ich? Ist der Berg Gont zu etwas gut? Oder das Meer?84
Mit dem Sinn ist es wie mit dem Sein der Welt der Holone. Er benötigt einen Kontext. Es kann alles nur einen Sinn haben in der Verbindung zu etwas anderem, aber das gesamte Sein hat keinen Sinn, da dieses Weltganze ohne Anbindung ist an etwas Anderes. Und somit ist das GESAMTE Sein ohne Sinn. Aber Einzelnes innerhalb dieses Weltganzen, auch wir, hat durchaus Sinn, oder, besser, MACHT Sinn.
Man kann ganz unbedarft sagen, Atome hätten den Sinn sich zu Molekülen verbinden zu können, diese dann sich zu lebenden Systemen zu verbinden. Unsere Leben machen Sinn für Andere, machen Sinn für die Noussphäre. So lange man sich etwas auf Anderes beziehen kann steckt in dieser Verbundenheit auch Sinnhaftigkeit. Das Eine ist für etwas anderes Da (was sonst sollte Sinn produzieren?) Zusammenhänge, Abhängigkeiten, Verbundenheiten schaffen Sinn.
Wir können auch die Bedeutung des Wortes selbst betrachten: Sinn = Wahrnehmungsorgan. Wahrnehmen kann ich auch nur was existiert. Hier kommt, zumindest in der deutschen Sprache, der Zusammenhang zwischen Sinn und Sein nochmals zutage. „Sein“ impliziert also Sinnhaftigkeit. Gerade im Deutschen haben wir ja auch die Verbindung zwischen Denken und Sinn, im Begriff des Nachsinnens über etwas.
Vielleicht müssen wir aber auch genauer nachsehen, warum es für uns so wichtig ist, dass alles einen Sinn macht (oder hat). Sinn bedeutet ja auch „Grund etwas zu tun, Grund zu existieren“. Wir brauchen einen Grund, um unsere Existenz zu rechtfertigen, Wert zu schätzen, ja vielleicht um sie überhaupt zu begreifen. Wenn etwas begründet ist, macht es auch Sinn. Begründet bedeutet ja auch, auf (sicherem?) Grund zu stehen. Sprache hilft uns hier sehr, der Bedeutung von Sinn und Sein auf den Grund zu gehen, denn sie spiegelt das, was hinter und in den Begriffen schlummert.
Und nach solch einer Umrundung des Sinnbegriffes kann man festhalten, dass Leben und Sein durchaus Sinn machen, wir also nicht in einem sinnleeren Universum hausen müssen. Für unsere kleinen, begrenzten Leben gibt es Sinn in Hülle und Fülle, nicht aber für das Weltganze, das Universum, die WELT an sich. Dieses existiert sinnfrei. Doch an dieser Grenzfläche geraten wir wie immer an das Problem des infiniten Regesses, denn welchen Sinn sollte das Weltganze denn auch machen? Einem Gott zu dienen als Spielwiese oder als Lernort für Seelen, die sowieso wiederum nur Teil dieses göttlichen Seins sind? Und welchen Sinn macht dann diese Überwesenheit? Nun fehlt plötzlich ihr der Kontext, denn außer „Ihr“ existiert ja dann letztendlich gar nichts. Macht also auch keinen Sinn.
Begnügen wir uns also mit der letztlich unendlichen Anzahl von Sinnhaftigkeiten innerhalb des Weltganzen, den wechselseitigen und höchst wundersamen Verbindungen und Abhängigkeiten der holonischen Welt, die Sinn durch Verbindung erstellt. Alles ist für etwas anderes da und notwendig und macht somit Sinn, aber das ALLES eben nicht.
Und der Mensch an sich. Wofür ist der da? Nun, wir sind natürlich als ultrasoziale Wesen füreinander da, Menschen machen für Menschen Sinn. Aber vielleicht darf man auch den Gedanken haben, dass wir dazu da sind, über alles andere Nachzusinnen, die BetrachterInnen der Welt zu sein, dem geistlosen Ganzen dadurch etwas Verständnis einzuhauchen. Wir wären damit, wenn auch nur für eine begrenzte Zeit, für alles da, da wir uns in Beziehung zu allem Anderen setzen können und wollen.
FUSSNOTEN
1Aus: „Die unbekannte Macht“ Peter F. Hamilton, S.56
2 Aus: Hans Wolfgang Schumann „Buddhismus“ Franke Verlag 1963 S.42 /
3Wie etwa Wasserstoffatome, die seit ihrer Entstehung im Urknall vor ca. 13,7 Milliarden Jahren unverändert geblieben sind. Erst am Ende des Universums oder wenn sie durch Kernprozesse in Heliumatome umgewandelt werden wandeln sie sich. Und nicht alle Wasserstoffatome werden in Sternen fusioniert werden.
4Aus: „Evolutionsbiologie Oberstufe“ S.7
5Aus: http://wissenschaft.marcus-haas.de/astrophysk/vakuum.html
6Teleologie: Lehre von der Zweckmäßigkeit und dem Zweckbestimmtsein alles menschlichen wie auch geschichtlichen und natürlichen Handelns (Handlung) und Geschehens. Teleologisch bedeutet auf ein Ziel oder einen Zweck bezogen, einen Zweck unterstellend
7Aus: „Das ist Evolution“ E. Mayr S. 154
8der Selbsterschaffung und -erhaltung eines Systems der Selbsterschaffung und -erhaltung eines Systems.
9Der 1. Hauptsatz der Thermodynamik legt die „Gesamtbilanz“ der Energie fest, also die Tatsache, dass die Gesamtenergie eines abgeschlossenen Systems weder zu- oder abnehmen darf. Das größte abgeschlossene System ist natürlich das gesamte Universum.
Der 2 Hauptsatz der Thermodynamik zeigt nun, dass sich -insgesamt- alle Energie quasi ständig in weniger potente Formen von Energie (die also weniger oder keine Arbeit mehr verrichten können) umwandelt. Dies ist die sogenannte Entropie. Dies gilt aber eben nur in geschlossenen Systemen (wie z.B. dem Universum), aber nicht in offenen Systemen, wie z.B. der Erde, der ja ständig „potente“ Energie in Form von Sonnenenergie zugeführt wird. Daher ist es kein Widerspruch zum 2. Hauptsatz, wenn auf der Erde (oder sonstwo im Universum) die Komplexitiät zunimmt!
10Aus: „Das ist Evolution“ E. Mayr S. 260f
11Dieser wiederum hat den Gedanken von Artur Koestler, einem Philosophen und Denker, dem ich zugegebenermaßen nicht so ganz traue. Aber der holarchische Aufbau des Universums ist ein Meilenstein für mein Denken. Mir scheint der Gedanke auch sehr mit Leibnitz Monaden verwandt zu sein.
12Wenn wir die neueren Physikalischen Forschungen betrachten müssen wir ja immer mehr feststellen, dass sich alle Versuche, einen materiellen Grundbaustein (oder auch mehrere) zu finden scheitern. Statt dessen finden sich immer neue Bausteine, die sich letztendlich dann in so etwas wie Strukturen und Interaktionen auflösen.
13 Wer näheres Wissen möchte sollte sein Hauptwerk „Eros, Kosmos, Logos“ lesen, in dem er alles klar darlegt.
14Wie immer, gibt es auch hier korrigierende/konkurrierende Meinungen. Eine interessante Ergänzung (so sehe ich das) zu Wilbers/Köstlers Definitionen und Ansichten ist HIER zu finden (http://www.integralworld.net/de/meyerhoff-ba-1b-de.html)
15Oder könnten es doch sein! Natürlich gibt es freie Atome und Zellen, die in keinem Zellverband sind (Prokaryonten) aber das ist kein eklatanter Widerspruch. Schließlich sind sie doch Teile von größeren Einheiten, dienen als Nahrung oder gehören einfach zur Ökosphäre der Erde. In manchen Betrachtungen werden solche Holons „Träge Holons“ genannt, bei der quasi die eine oder andere Eigenschaft (Tendenz) nicht im gleichen Maß vorhanden ist wie bei anderen Holons.
16Aus: Ken Wilber, EKL S. 57 Allerdings gibt es meiner Meinung nach doch eine Grenze, was später besprochen wird. Die Weltgrenze sozusagen.
17Elementarteilchen wie z.B. Elektronen sind sogar Holons, die seit ihrer Entstehung existieren und vorerst auch keine Anstalten machen, sich aufzulösen. Der Hang zur Selbstauflösung wird mit steigender Komplexität größer. Wie fast immer gibt es auch von dieser Regel Ausnahmen. So zerfallen manche der winzigen Teilchen innerhalb von Picosecunden nach ihrer Entstehung.
18Per definition ist ein Holon ja immer Ganzes/Teil, aber ich denke es ist tatsächlich ein Unterschied, ob ein Holon ein völlig integrierter Teil eines größeren Ganzen ist (z.B. eine Zelle, die zu einem Organ gehört) oder ob eine Holon frei in einer Umwelt, in der es existieren kann „schwebt“ (z.B. ein Einzeller, der nicht mit anderen Einzellern interagiert). Diese „trägen“ Holone sind ja trotzdem Teil einer Umwelt, die sie prägen, auch wenn sie erst einmal nicht Teil einer größeren Holarchie sind.
19Aus: Ken Wilber EKL S. 68f
20So sind die newtonschen Gesetze sicher richtig für große Körper,, große Massen, aber im subatomaren Bereich fängt man rein gar nichts mit ihnen an, um ein Beispiel zu nennen.
21Aus: Ken Wilber EKL S. 69
22Was mit dieser Schichtung von Holonen zu sogenannten Holarchien oder holonischen Ebenen gemeint ist, wird später erklärt!
23Aus: Wilber EKL S. 73, darin aus: Verala et al., The embodied Mind
24Und „emergieren“ kommt aus dem griechischen und bedeutet „auftauchen“
25Aus: Wilber EKL S. 73, darin aus Ernst Mayr „The Growth of Biological Thought, S. 63
26Wobei man mit dem „Ebenenbegriff“ ein wenig vorsichtig sein muss. Man darf es nicht als Schichtung von Holonen verstehen, weil ja z.B. Moleküle nicht wie eine Erdschicht ÜBER den Atomen stehen, sondern aus ihnen bestehen und diese damit eher einschließen als über ihnen zu liegen.
27Es gibt ja neue Ansätze, die „Wahrheiten“ oder „Welten“ tiefer als die der Quantenebene annehmen.
28Natürlich kann man ein „Multiversum“ annehmen. Allerdings ist hier auch die Frage, ob es sich um eine holarchisch höhere Ebene handeln würde, wenn dieses Multiversum tatsächlich existiert. Denn dann müsste es ja ein emergiertes, neues System sein mit neuen Eigenschaften. Das ist aber nicht zu erkennen. Es ist (wenn denn existent) eher ein „Haufen“ von nebeneinander liegenden Holarchien. Und selbst wenn dieses Multiversum tatsächlich eine echte Holarchie sein sollte, die sich aus den einzelnen Universen zusammensetzt, was kommt dann danach? Wenn wir immer weitere Holarchien und Mult-Multiversen annehmen geraten wir augenblicklich in das bekannte Problem des infiniten regeresses (Gott erschuf die Welt, wer hat Gott erschaffen? Ein anderer Gott, aber wer hat den erschaffen u.s.w.).
29Wobei man mit dem „Ebenenbegriff“ ein wenig vorsichtig sein muss. Man darf es nicht als Schichtung von Holonen verstehen, weil ja z.B. Moleküle nicht wie eine Erdschicht ÜBER den Atomen stehen, sondern aus ihnen bestehen und diese damit eher einschließen als über ihnen zu liegen.
30Aus: Ursula K. Le Guin: Tehanu
31Aus: Spektrum d. Wissenschaft Juli 2014 – Was ist real? von Meinard Kuhlmann.
32Aus: Spektrum d. Wissenschaft Juli 2014 – Was ist real? von Meinard Kuhlmann.
33Aus: Spektrum d. Wissenschaft Juli 2014 – Was ist real? von Meinard Kuhlmann.
34„Die Vorstellung, Eigenschaften seien nicht Universalien, sondern Einzelheiten, unterscheidet sich von der traditionellen Auffassung; darum haben Philosophen für eine partikularisierte Eigenschaft den neuen Ausdruck »Trope« eingeführt“ ebenfalls aus: Spektrum d. Wissenschaft Juli 2014 – Was ist real? von Meinard Kuhlmann.
35Aus: Spektrum d. Wissenschaft Juli 2014 – Was ist real? von Meinard Kuhlmann.
36Siehe z.B. Bild der Wissenschaft 1/2008 - http://www.focus.de/wissen/bild-der-wissenschaft/tid-8332/physik_aid_229939.html
37Siehe hierzu explizit: Thomas Metzinger „Der Ego Tunnel“ Piper 2014
38Doch stellt sich in mir diesen Ansichten der Welt nichts entgegen!
39Mir ist durchaus klar, dass ich hier zwei Folgerungen aus wissenschaftlichen Erkenntnissen, die aus sehr unterschiedlichen Bereichen kommen miteinander „vermenge“ oder ihre Ergebnisse subsumiere. Diesen Bereiche sind hier die Quantenphysik und da die Neurowissenschaften. Doch die Parallelen faszinieren, ebenso wie die Parallele mit den Buddhaworten und Gedanken.
40Es ist uns eben nur möglich den kleinen Ausschnitt aus dem elektromagnetischen Spektrum wahrzunehmen, den uns unsere Augen vermitteln. Wir können eben nur Strukturen bestimmter Größenordnungen wahrnehmen (gleich, durch welche Sinne) und wir können eben nur unser Innenleben beobachten, aber nicht die Prozesse, die dazu im Gehirn ablaufen u.s.w.
41Aus Wikipedia Artikel „Anatta“
42ebenda. Darin Zitiert aus: http://www.palikanon.com/wtb/sacca.html letztlich also aus dem Palikanon
43Damit beziehe ich mich natürlich auf das. was die Neurowissenschaften und moderne Psychologie und Philosophie sagt – vor allem zu Problemen wie Bewusstsein, Ichwahrnehmung, Egotunnel etc. aber nicht etwa auf die Quantenphysik, zu der Buddha sicher nichts zu sagen hatte.
44Thomas Metzinger „Der Ego Tunnel“ Piper 2014 S. 30
45Damit beziehe ich mich natürlich auf das. was die Neurowissenschaften und moderne Psychologie und Philosophie sagt – vor allem zu Problemen wie Bewusstsein, Ichwahrnehmung, Egotunnel etc. aber nicht etwa auf die Quantenphysik, zu der Buddha sicher nichts zu sagen hatte.
46Es ist da eine „Kolonisation des Geistes“ im Gange, die die Weltsicht der Moderne (der Aufklärung) überallhin transportiert und andere Weltsichten marginalisiert. Und mit jeder festgelegten Weltsicht gehen Möglichkeiten anderer Weltsichten verloren. Auch ich bin ja ein Vertreter dieser Moderne, dieser Aufklärung. Aber zumindest möchte ich das Wissen um diese Art der Kolonisation nicht verdrängen oder rationalisieren.
47Und hier darf man nicht von Umprogrammieren sprechen, weil das ein gänzlich falscher Terminus wäre.
Der Gedanke ist übrigens gar nicht so spektakulär, strukturieren wir doch alle unser Gehirn ständig neu um, z.B. wenn wir irgendwann anfangen intensiv Klavier zu lernen. Auch strukturiert sich das Gehirn oft genug quasi selbst um, z.B. nach heftigen Hirnverletzungen. Hier möchte ich nur an den Fall von …. (?) erinnern, dem tatsächlich die Hälfte des Gehirns herausoperiert wurde und dessen verbleibende Hälfte praktisch die gesamten Aufgaben eines vollständigen Gehirns übernommen hat, so dass …. sogar Autofahren lernen konnte. Allerdings müssen wohl jene Umstrukturierungen die ein „Buddha“-Gehirn durchmachen muß sehr tiefgehend sein, wohl in Bereiche hinein, die dem allergrößten Teil der Menschheit nicht zugänglich sind. Doch wissen wir ja von Jogis z.B. dass sie durchaus durch geeignete Techniken in Körperbereiche vordringen können, die normalerweise nicht zugänglich sind, wie etwa Regelung des sog. Parasympathikus etc. (?)
48 Aus: Thomas Metzinger „Der Ego Tunnel“ Piper 2014 S. 59
49Hier erklärt Schumann einen buddh. Text, in dem Buddha die Antwort auf die Frage verweigert, ob es ein Selbst gibt, weil Bejahung wie Verneinung den Frager in die falsche Richtung locken würden.
50Hans Wolfgang Schumann „Buddhismus“ Franke Verlag 1963 S.29 / Hervorhebung durch mich, um den Teil des Zitates hervorzuheben, der sich durchaus auch auf den physikalischen Bereich des Seins, d.h. den Anfang des Exkurses, beziehen könnte!
51Aus: Wikipediaartikel https://de.wikipedia.org/wiki/Emergenz
52Aus: https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/emergenz/4021
53Das widerspricht auf den ersten Blick ja der Vorgabe, dass die Subholone übrig bleiben, wenn die tiefere Ebene sichauflöst (so wie Atome übrig bleiben, wenn Moleküle sich auflösen). Aber bei näherem Hinsehen gilt das nur für Einzellebewesen. Würden alle höher organsierten Lebensformen (die ja alle aus Zellen bestehen) absterben, blieben die “reinen” Zellen (Eukarioten, Prokarioten) ja trotzdem erhalten. Die Prokarioten sind die frühesten nachgewiesenen zellulären Lebewesen der Evolutionsgeschichte. Und Bakterien sind Prokarioten und es gibt sie bis heute.
54https://de.wikipedia.org/wiki/Nous
55Wie schon gesagt, ist das natürlich alles diskussionswürdig. Man kann sicher Gründe finden zu sagen, dass auch die Erzeugnisse und diese Umgestaltung der Welt, die durch den Menschen, bzw. durch den menschlichen Geist geschaffen worden sind zur Noussphäre dazu gehören.
56Ich benutze hier den Ausdruck “Menschlicher Geist” oder nur “Geist” lieber, als jedesmal “Die Noussphäre” zu sagen, meine aber genau das. Nur ist uns dieser Begriff des menschlichen Geistes einach bekannter und griffiger.
57Zumal wohl schon die Bedingungen für eine Biosphäre selten bis sehr selten sind.
58Und das sind sie ja bei uns auf der Erde sicherlich. Schließlich hat sich die Natur jeweils nach fünf gewaltigen Naturkatastrophen mit bis zu 95%iger Vernichtung allen Lebens auf der Erde immer wieder erholt und jeweils völlig neue Formenvielfalt hervorgebracht.
59D.h. Eine selbstreflektierende, sich ihrer selbst als existent bewusste Entität, die nicht nur auf äußere Reize reagiert, sondern in der Lage ist, selbst tätig zu werden und z.B. Kontakt aufzunehmen mit uns oder mit anderen künstlichen Entitäten.
60Siehe z.B. https://www.pharmazeutische-zeitung.de/kann-ki-ein-bewusstsein-entwickeln-145268/
61Lieber würde ich von einer sekundären Natur sprechen als von einer künstlichen. Dieses “künstlich” hat etwas von “übernatürlich”, und da ALLES Natur ist, muss man eben sehen, dass Errungenschaften, die durch biologische Wesen erschaffen wurde auch Teil dieser Natur sind, wenn vielleicht auch nur auf einer sekundären Stufe.
62Damit ist natürlich nicht die Gattung HOMO gemeint, sondern die Spezies Homo sapiens. HOMO entstand schon etwas früher. Aus Wikipedia: „Die beiden ältesten Arten der Gattung Homo sind Homo rudolfensis und Homo habilis. Sie lebten vor rund 2,5 bis 1,5 Millionen Jahren.“ wobei man berichtigen muss: Die ältesten BISHER GEFUNDENEN Arten der Gattung …...
63Natürlich haben auch schon die Vorfahren oder Vorläufer des Homo sapiens (die Familie Homo) gewisse „noosphärische“ Tendenzen gezeigt wie Werkzeuggebrauch oder Bestattungsriten. Aber auf eine wirklich symbolische und (?) aktive Daseinsweise kann man bei ihnen auf Grund der bisherigen Funde nicht sicher schließen! Ausnahme ist wohl nur der Homo neandertalensis.
64Wenn man ihn und seine Lebensspanne z.B. mit einem hochentwickelten/hochkomplexen Lebewesen wie dem Schlitzrüssler (ein Säugetier)vergleicht, der 76 Millionen Jahre überlebt hat, bevor er heute (durch den Menschen) praktisch vor dem Aussterben steht, dann werden die Dimensionen klar. Geht man von einem menschlichen Durchschnittsalter von 72 Jahren aus und setzt das mit dem Alter des Schlitzrüsslers gleich, so wäre die Spezies Homo sapiens dazu im Vergleich ein ca. 2 Monate altes Baby.
65Leider fehlt mir hier die Quellenangabe. Da ich nicht gewillt bin, nochmals das Ganze EKL-Buch durchzulesen, muss man mir einfach die Origninalität des Zitates glauben.
66Zwar können wir die Existenz des Bewusstseins nicht „materialistisch“ nachweisen, aber zum Einen durch seine Ausformungen und Errungenschaften, zuvorderst aber durch unsere ganz persönliche INNENSCHAUT, unser innerstes ERLEBEN. Das ist wohl beinahe noch direkter wie unser Wissen um Physio- und Biosphäre, die wir ja vom Erleben her (nicht von der Realität her!) als AUSSEN erfahren.
67Auch hier: an den Rändern franzt es aus: Die Naturkonstanten in den subatomaren Bereichen sind noch längst nicht alle bekannt und verstanden und auch der Grenzfall Urknall macht uns noch Schwierigkeiten. Her möchten manche Theologen ja auch gerne noch Gott ansiedeln, einen Gott auf der Flucht, einen, der die Welt angeschubst haben soll. Aber dieser Uhrmachergott ist reichlich Überflüssig. Siehe nächster Punkt in der Liste
68Beides aus: Wikipedia: Ockhams Rasiermesser
69Zu der ich auch Dunkle Materie und Dunkle Energie zähle
70Daher, nur nebenbei, bin ich auch davon überzeugt, dass Künstliche Intelligenz möglich ist. Wenn wir dereinst wirklich verstanden haben, nach welchen Axiomen unser selbstreflektiver Geist arbeitet werden wir dies nachahmen können und da dann KONTEXT und natürlich auch die BEDINGUNGEN stimmen wird ein nichtmenschlicher, künstlicher Geist AUTOMATISCH entstehen. Ohne jeden Göttlichen Funken! Allerdings wird dies, davon bin ich auch überzeugt, NICHTS mit unseren heutigen Computern zu tun haben, mögen sie auch noch so leistungsfähig werden.
71Ja, es IST schmerzhaft, auch diese letzte Bastion menschlicher Wichtigkeit zu schleifen und nun gänzlich nackt, hilflos und bloß in einem unserer nicht gedenkenden Universum zu stehen. Aber es ist auch eine Stärke und hat einen Adel dieser Wahrheit offen gegenüberzutreten.
72Obwohl natürlich unser Begreifen der Welt ein Konstruktionsergebnis unseres sensorischen Apparates und unseres Gehirnes ist. Wir nehmen die Welt so wahr, wie sie hominidische Säugetiere mit Verstand eben wahrnehmen können. Das spricht aber nicht gegen die Welt, sondern nur dagegen, dass sie genau so IST, oder NUR so ist, wie wir sie wahrnehmen.
73Näheres zur Problematik der Wahrnehmung und zur Realität später unter …..
74Ich halte es für ein nettes Gedankenspiel, aber, wenn zu ernst genommen, für Verstiegenheit anzunehmen, dass das, was gerade nicht wahrgenommen wird auch nicht existiere.
75Gottfried Wilhelm Leibniz
76Und nein, ich fürchte mich nicht, hier zu pathetisch zu klingen. Und ja, es ist mir klar, dass diese Schönheit im Auge des Betrachters liegt, aber auch dieses Auge ist ja ein Produkt der Universalen Entwicklung, der Evolution.
77Das Wort „Gesetz“ ist hier in Anführungszeichen, weil das Wort einen Bedeutungskontext von „festgelegt“ „gemacht“ „erschaffen“ hat. Diese Bedeutungsebene lehne ich ab. Trotzdem ist es schwer, den Begriff gänzlich fort zu lassen.
78Ich habe mir einige Abhandlungen und Bücher diesem oder ähnlichen Titeln angesehen: “Über die Geschichte der Philosophie” und in praktisch allen wurde nur die Geschichte der westlichen Philosophie behandelt von den alten Griechen bis heute. Aber dass es große und großartige philosophische Systeme und Überlegungen gab und gibt außerhalb Europas, das wird fast immer komplett unterschlagen.
79Am ehesten noch könnte man die Welt der Mathematik als eine solche Ideale Welt ansehen. Das wäre für mich durchaus akzeptierbar.
80Wobei ja auch hier gesagt wird, dass diese zwar sehr schnell nach dem sog. Urknall entstanden sind, aber eben nicht unmittelbar oder schon vorher vorhanden waren.
81Wie schon an anderer Stelle erwähnt, gehe ich daher auch davon aus, dass auch Künstliche Intelligenz durchaus möglich ist, wenn wir die Bedingungen, in denen selbstbewußter Geist entsteht gut genug kennen, um sie richtig zu reproduzieren. Aber auch dann, selbst wenn wir in solche Höhen steigen, Geist „erschaffen“ zu können, heißt das nicht, dass wir wissen, wie dieser Geist sich tatsächlich VON INNEN her anfühlt!
82Vielleicht mit Ausnahme der Dunklen Materie und der dunklen Energie, über die wir ja bis dato keinerlei Aussagen machen können!
83Aus: Hans Wolfgang Schumann „Buddhismus“ Franke Verlag 1963 S.42 / dadurch wird der Buddhismus zu einem Vorläufer der Systemtheorie und zu einem Freund Heraklits: pantha rei, alles fließt.
84Aus: Ursula K. Le Guin: Der Magier der Erdsee